Plötzlich ist er da, dieser Moment, in dem du dich fragst, ob du so weitermachen willst. Ob du so weitermachen kannst.

Jeden Tag. Bis du alt bist. Oder bis deine Kinder erwachsen sind.

Kennst du dieses Gefühl? Verspürst du auch diesen tiefen Wunsch, beruflich etwas zu verändern? Und fragst dich gleichzeitig, wie das gelingen soll?

Bevor ich mich vor vielen Jahren entschlossen habe, beruflich etwas ganz anderes zu machen, hatte ich mit extremen Widerständen in mir selbst und von außen zu kämpfen. Von meinem Entschluss habe ich mich jedoch nicht abbringen lassen – und ihn zum Glück keine Sekunde bereut.

Heute bin ich unendlich dankbar für den Prozess, der sich dadurch in Gang gesetzt hat. Und für all das Wissen und die Erfahrungen, die mich seitdem bereichert und vorangebracht haben.

Rückblickend sind es vor allem sechs Punkte, die ich dir ans Herz legen möchte, wenn du schon länger mit dem Gedanken spielst, etwas verändern zu wollen:

Tipp 1: Akzeptiere deinen Veränderungswunsch

Es ist nicht leicht, sich einzugestehen, dass der Beruf in seiner jetzigen Form nicht (mehr) zu einem passt und sich etwas ändern muss. Dieser unangenehme Gedanke bringt so vieles durcheinander, stört das gewohnte Leben. Doch er lässt sich nicht abschalten. Und er verschwindet nicht mehr, sobald er sich einmal im Kopf eingenistet hat. Im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los mit all den Fragen, Auseinandersetzungen und Widerständen.

Als junge Frau habe ich es nie in Frage gestellt, Muttersein und Berufsausübung dauerhaft miteinander vereinbaren zu können. Schließlich ist es nichts Besonderes, machen ja so viele … In mir war der Glaube tief verwurzelt, dass alles vorrangig eine Frage der Organisation sei – bis ich immer deutlicher spürte, dass es um ganz andere Dinge ging. Dass es ein tiefgründiges und gleichzeitig kollektives Problem von Frauen ist. Mir musste vieles erst bewusst werden, bevor ich entsprechende Änderungen vornehmen konnte, die alles wieder ins Gleichgewicht brachten: mich selbst, meine Familie und meinen Beruf.

Wenn du spürst, dass etwas nicht mehr stimmt, vertraue deiner Intuition. Es hat seinen Grund, dass dieses unangenehme Gefühl in dir hochkommt.

Akzeptiere in diesem Moment einfach, dass etwas in dir auf sich aufmerksam machen will. Weil es an der Zeit ist. Weil du nicht nur irgendetwas in deinem Umfeld verändern willst, sondern etwas Grundlegendes in dir selbst.

Tipp 2: Reflektiere frühere Entscheidungen

Es hat seinen Grund, warum du beruflich dort stehst, wo du jetzt bist. Irgendwann hast du den Entschluss gefasst, diesen Beruf zu erlernen, diese Stelle anzunehmen oder dich selbständig zu machen.

Überlege, warum du dich damals so entschieden hast.

  • Was war gestern wichtig und warum?
  • Was hat meine Entscheidung damals maßgeblich beeinflusst?
  • Was ist heute für mich nicht mehr wichtig?
  • Was hat stattdessen an Priorität gewonnen?

Wenn du magst, lass alles aufs Papier fließen, was dir in den Sinn kommt. Schreiben klärt die Gedanken. Ich mache diese Notizen gerne handschriftlich und nutze dafür schöne Notizbücher, in denen ich immer wieder blättern und nachlesen kann.

Es ist erstaunlich, was dir beim Schreiben alles einfällt.

Vielleicht geht es dir wie mir und du merkst, dass viele deiner ursprünglichen Motive für dich heute gar nicht mehr relevant sind. Weil dein Leben und dein Umfeld sich inzwischen sehr verändert haben und andere Dinge in den Vordergrund getreten sind.

Tipp 3: Vertraue dir selbst

Diese Phase der Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit ist kräftezehrend. Es verunsichert, auf einmal nicht mehr die Powerfrau zu sein, die täglich in gewohnter Weise ihren Aufgaben nachgeht. Es beunruhigt, nicht genau zu wissen, wohin die Reise jetzt geht. Und ganz ehrlich, etwas Angst macht es auch, seinen vertrauten Bereich verlassen zu wollen und sich auf etwas Neues einzulassen. Du weißt ja nicht genau, was auf dich zukommt und wie sich alles entwickeln wird.

Kein Wunder, dass in diesem Gedankenkarussell immer wieder Zweifel aufkommen.

Hab Vertrauen zu dir selbst. Vertraue auf deine Fähigkeiten, Erfahrungen und besonderen Qualitäten, die dich leiten. Dein Leben ist ein kostbares, einmaliges Geschenk – schätze es.

Tipp 4: Konzentriere dich auf die Freude

Wenn Selbstzweifel sich breit machen, ist es Zeit, deine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was dir Freude bereitet. Die Freude am Sein, Tun und Haben. Freude verscheucht Zweifel und bereitet den Nährboden für Glück und Erfolg.

Konzentriere dich auf alles, was dir Freude bereitet:

  • Wofür bist du dankbar?
  • Was tust tu gerne? Mach mehr davon!
  • Was gefällt dir an dir? (Schau genau hin …)
  • Was hast du bereits erreicht?
  • Welche wunderbaren Menschen zählen zu deinen Liebsten?
  • Welche schönen Dinge umgeben dich?

Entdecke weitere Momente der Freude, z. B. ein Spaziergang in der Natur, eine kurze Pause, ein freundliches Gespräch, eine Begegnung, eine überstandene Krankheit …

Tipp 5: Kenne deine Werte

Was mir am meisten geholfen hat, um mich beruflich neu zu orientieren, war das Herauskristallisieren und Schätzen meiner eigenen Werte. Probiere es aus, die ehrliche Auseinandersetzung mit deinen Werten hilft dir dauerhaft in allen Lebensbereichen weiter:

  • Du findest heraus, wofür du stehst
  • Du erkennst, was dir wirklich Halt gibt in deinem Leben
  • Du verstehst, warum du manche Dinge ablehnst
  • Dir fällt es leichter, Grenzen anzuerkennen und eigene zu setzen
  • Deine Selbstsicherheit wächst
  • Dir fallen Entscheidungen leichter
  • Du wirst gelassener, doch nicht gleichgültig
  • Du wirst auf leichte Art zielstrebiger

Kennst du deine höchsten Werte? Es ist sehr aufschlussreich, sich damit genauer zu befassen. Wenn du gerne mehr darüber erfahren möchtest, hilft dir meine Werteliste bestimmt weiter.

Tipp 6: Nimm dir Zeit vor dem Neubeginn

Bevor du beruflich einen neuen Weg einschlägst, sei dir sicher, dass du mit dem Alten wirklich abschließen willst. Und dann nimm dir zuerst ausreichend Zeit für dich, bevor du dich in etwas Neues stürzt. Weil du bestimmt nicht die Fehler wiederholen willst, die du schon mal gemacht hast – vor allem nicht solche, die dir noch gar nicht richtig bewusst sind …

Finde in aller Ruhe heraus, was du künftig wirklich willst – wer du sein willst, was du tun willst, was du künftig nicht mehr willst. Um dann etwas Neues aufzubauen und zu lernen, in deinem Tempo, auf deine Art. Ich habe mir damals am Anfang diese Zeit nicht genommen und mich stattdessen voller Begeisterung und mit gewohnter Power in etwas komplett Neues gestürzt. Aus diesem Fehler habe ich gelernt und erkannt, wie wichtig Selbstreflexion und bewusste Pausen sind.

Ohne seine alten Gewohnheiten zu überdenken und zu verbessern ist die Gefahr groß, wieder in eine Sackgasse zu geraten. Genau das möchte ich dir helfen zu vermeiden.

Wenn du die Entscheidung getroffen hast, beruflich eine Veränderung vorzunehmen, ist das ein gewaltiger Schritt. Sei dir bewusst, dass du damit etwas Altbekanntes, Vertrautes verlässt, das dir lange Zeit Sicherheit gegeben hat. Hier meine ich nicht nur die äußere, finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit, sondern vor allem deinen inneren Halt.

Der Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren, kann viele Ursachen haben. Um deinen ganz persönlichen Grund zu erkennen, braucht es Zeit. Diesen Grund solltest du kennen, um deinen für dich richtigen Weg einzuschlagen. Damit du wieder Freude hast an deinem Beruf und dich gerne neuen Herausforderungen stellst.

Alle 6 Tipps hier noch einmal in Kürze:

    1.  Akzeptieren
    2.  Reflektieren
    3.  Sich selbst vertrauen
    4.  Auf Freude fokussieren
    5.  Werte schätzen
    6.  Sich Zeit nehmen

Wenn du noch unsicher bist und nicht genau weißt, wohin deine berufliche Reise gehen soll, empfehle ich dir, deine persönliche Werteliste zu erstellen. Das ist ein wirklich guter Einstieg, um tiefer einzutauchen und die richtige Orientierung zu finden.

Finde, was in dir steckt, und entfalte es.