Lifestyle-Teilzeit ist für mich schon jetzt das Unwort des Jahres 2026. Diese Wortschöpfung spiegelt alles wider, was berufstätige Mütter täglich spüren: Die offensichtliche Geringschätzung nicht erwerbstätiger Care-Arbeit und das tiefe Unverständnis für ihr unermüdliches Bemühen, beides zu schaffen: eine verantwortungs- und liebevolle Mutter zu sein, ohne die eigene berufliche und persönliche Entwicklung aus den Augen zu verlieren.

Wer in Teilzeit arbeitet, wird auf beruflicher Ebene weniger ernstgenommen und steht für anspruchsvolle Tätigkeiten mit Perspektive kaum zur Debatte; verwurzelt in dem generationsübergreifenden alten Denkmuster, dass nur diejenige wirklich gut ist, die immer präsent ist und all ihre Zeit einer einzigen Sache opfert. Ganz nach dem Motto: Karriere oder Kinder, beides geht nicht!

Diese Sichtweise setzt Frauen unter Druck, die ihr geistiges und persönliches Potenzial ausschöpfen wollen, ohne dafür mit wertvoller, unwiederbringlicher Zeit mit den eigenen Kindern zu bezahlen.

Kinder liebevoll zu unterstützen, sie zu fördern und in ein selbständiges Leben zu begleiten, ist keine Nebensache, die sich mit links managen lässt. Denn Kinder brauchen mehr als perfektes Management, Beaufsichtigung und Schulbildung. Sie brauchen Zuwendung, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Sie brauchen gelebte Liebe in Form von Zeit und Hingabe, die sich in täglichen kleinen Dingen zeigt wie

  • das frisch gekochte Mittagessen nach dem Schulbesuch
  • saubere, gepflegte und passende Kleidung
  • ein schönes Zuhause zum Fallenlassen und Wohlfühlen
  • ein aufgeräumtes, entwicklungsgerechtes Zimmer
  • ein gefüllter Kühlschrank mit gesunden Snacks
  • Geschenke, Überraschungen und gemeinsames Feiern

Neben all diesen scheinbar selbstverständlichen Dingen, die wie durch Zauberhand erledigt werden, gibt es noch die unsichtbaren Dinge auf emotionaler und mentaler Ebene: 

  • verständnisvolles Zuhören ohne Ablenkung 
  • Mitgefühl und Trost bei individuellen Problemen
  • Erkennen und Fördern von persönlichen Gaben
  • Akzeptieren von Schwächen und Fördern von Stärken
  • Zusammenhalten bei Schwierigkeiten
  • Belohnungen, Trostpflaster und Ermutigungen

All das erfordert Zeit. Zeit. Zeit, die nicht parallel in erwerbstätige Arbeit mit körperlicher Präsenz fließen kann. Deshalb entscheiden sich viele Mütter für Teilzeitangebote. Auch wenn diese Angebote nicht ihren Qualifikationen entsprechen, auch wenn sie weniger Geld dabei verdienen und ihre Rente spärlicher ausfällt. Mit Lifestyle hat das nichts zu tun. Eher mit Verantwortung und Liebe. Liebe zu den eigenen Kindern und zu sich selbst.

Denn eine Mutter ist kein Arbeitstier oder Homo oeconomicus, sondern ein wertvoller Mensch, dessen Kraft und Energie begrenzt ist. Ein Mensch mit individuellen Bedürfnissen und Potenzialen, die ein Recht darauf haben, respektiert und beschützt zu werden. Letztendlich sind wir verantwortungsbewusste Frauen mit vielen Facetten, die wir zum Vorschein bringen wollen – auf eine Art, die zu uns persönlich passt. Und zu unserer Familie mit gesunden und kranken, jungen und alten Menschen.

Teilzeit oder Vollzeit: Eine Frage der Voraussetzung

Vielen Müttern ist es gar nicht möglich, Vollzeit zu arbeiten, selbst wenn sie es wollten. Weil Partner oder Großeltern nicht zur Verfügung stehen, um für sie einzuspringen, familiäre Aufgaben zu übernehmen oder sie zu entlasten. Und weil ihre finanziellen Voraussetzungen und Einnahmen es nicht zulassen, kostenpflichtige Dienstleister zu beauftragen.

Kinderbetreuung, Haushaltshilfen, handwerkliche Unterstützung oder Lieferservice müssen bezahlt werden. Nicht jedes Gehalt ist so hoch, dass diese Kosten davon mit Leichtigkeit getragen werden können. Vor allem dann nicht, wenn eine Frau beruflich wieder einsteigt. Denn eine berufliche Pause, bedingt durch die Tatsache, Mutter zu sein, wirft viele Frauen zurück in Positionen, die unterhalb ihrer Qualifikation liegen und damit schlechter bezahlt werden – unabhängig davon, ob Vollzeit oder Teilzeit. 

Vorurteile gibt es immer

Ob beruflich ambitioniert im Vollzeitjob oder familiär eingespannt mit Teilzeitjob: Engagierte Mütter werden immer mit Vorurteilen konfrontiert:

→ Die  einen spüren vorwurfsvolle Blicke und Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand: „Warum hat sie Kinder, wenn sie den ganzen Tag nicht zu Hause ist?“ (Vollzeitjob)

→ Den anderen fehlt die Wertschätzung und Anerkennnung für ihre Leistung: „Sie arbeitet ja nur halbtags.“  (Teilzeitjob)

→ Manche werden belächelt für ihre Bemühungen, sich etwas eigenes aufzubauen: Sätze mit abwertendem Unterton wie „Sie bastelt Ketten“, „Sie häkelt Mützen“ oder „Sie will sich verwirklichen“ sind nicht ungewöhnlich, wenn Frauen selbständig werden.

Wen wundert es, dass Frauen heute nach neuen Wegen suchen, sich zu engagieren? Und dabei Schwierigkeiten haben, für sich einzustehen. Ob nebenberuflich, online mit eigenem Projekt, ehrenamtlich oder rein privat. Viele ziehen sich frühzeitig aus dem Erwerbsleben als Angestellte zurück, weil sie es sich wert sind, ernstgenommen zu werden. Für alles, was sie sind und können. Auch für das, was sie ohne Bezahlung geben und jahrelang leisten:

  • Für die Fürsorge, die sie ihren Kindern und Angehörigen bedingungslos geben.
  • Für den Rückhalt, auf den ihre Partner bauen können.
  • Für die Unterstützung, auf die jeder zählen kann. 

Was ist eine Gesellschaft wert ohne Menschen, die ein Herz für die Familie haben? Und ohne Menschen, die diesen Wert respektieren und schätzen?

Was wirklich zählt

Das Diffamieren von Bemühungen und Bestrebungen hilft niemandem. Es führt nur dazu, sich weiter abzugrenzen.

Was wir brauchen, sind wohlwollende Verbindungen, mehr Nähe und gegenseitige Unterstützung. Von Frauen für Frauen. Und ganz wichtig: nicht als Verbündete gegen andere, sondern in inniger Verbundenheit und gegenseitiger Wertschätzung; für andere und für sich selbst.

 

 

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